Ernährung – von einer Essstörung zur nächsten

Heute möchte ich ein Thema ansprechen, was vielleicht einige von euch kennen. Beginnen wir ganz vorne. Wie viele andere habe ich mir ein Instagram Konto erstellt mit der Absicht, eine Plattform zu haben, welche mich beim Abnehmen unterstützen und motivieren sollte. Früher habe ich schon öfters den Versuch gestartet abzunehmen, aber es hat nie funktioniert, was auch total verständlich ist, wenn man im Nachhinein sieht was man alles gemacht hat bzw nicht gemacht hab. Zum Beispiel habe ich eine Woche einfach nichts gegessen, sondern nur getrunken !! Heute weiß ich, dass das total bescheuert und Vorallem ungesund ist. Einige wissen womöglich noch, dass mein Konto zuerst „lenchenweightloss“ hieß. Anfang 2015 hat auch mich dieser kleine Teufel geritten, der einem andauernd ins Ohr flüstert man sei zu Fett, auch wenn man es eigentlich nich wirklich ist. Mir zumindest hat nie jemand gesagt, dass ich es bin. Trotzdem hatte ich mir dieses eine Ziel, 55 Kilogramm zu wiegen in den Kopf gesetzt und wollte es auch nicht mehr los lassen. Auf einen wirklich liebgemeinten Tipp einer Bekannten, habe ich mir myfitnesspall runtergeladen, dies ist eine App um seine täglich zu sich genommen Kalorien zu zählen. Da ich mein Ziel 15 kg abzunehmen so schnell wie möglich erreichen wollte, habe ich meinen Kalorienzufuhr täglich auf 1200 Kalorien eingestellt. Meistens aber nur 900-1000 gegessen um schnellere Erfolge zu erzielen. Wenn ich jetzt daran denke, muss ich mir eingestehen, dass ich am Anfang 2-3 Kilogramm pro Woche abgenommen habe und später immer Konsant einen pro Woche, was ich heute finde, auch definitiv genug ist, wenn man gesund abnehmen möchte. Durch die stetigen Erfolge, habe ich das Pogramm nicht wie alle anderen nach 2 Woche verworfen, sondern knapp ein Jahr durchgezogen. Gelandet bin ich letzte Weihnachten irgendwo bei knapp 50 kg auf eine Größe von 1,70. Also nochmal 5 Kilo mehr als ich mir vorgenommen hatte. Ich konnte nicht aufhören, alles einzutragen was ich esse. Ich hatte Angst, dass ich, wenn ich damit aufhöre sofort wieder zunehme. Ich habe mir nicht zugetraut selber eine gesunde Menge an essen zu finden. Ich war wirklich abhängig von der App. Selbst im Urlaub habe ich alles eingetragen, auf Eis und Süßigkeiten verzichtet, nicht mit meinen Eltern im Resturant gegessen und immer nur Wasser getrunken, wenn wir aus waren. Ab diesem Zeitpunkt, Winter 2015, kamen die Leute auf mich zu, die mich zuvor für meine Abnahme bewundert haben, und fragten wie viel ich denn noch abnehmen wolle und ob es nicht langsam reichen würde. Ich muss zugeben, ich habe mich zu dieser Zeit nicht so dünn gesehen, ich fühlte mich wie immer. Natürlich war mir aufgefallen, dass ich meine Hosen immer kleiner kaufen konnte aber im Spiegel sah alles gleich aus für mich. Das ich doch so dünn geworden bin habe ich erst im Nachhinein auf Fotos gesehen und war erschrocken es nicht selber gemerkt zu haben. Ab Neujahr fiel es mir immer schwieriger auf mein Lieblingseesen zu verzichten und auf den ganzen Süßkram. Dort fing die Zeit an, wo ich aus jedem Tag an dem es morgens schon nicht so gut mit der Ernährung klappte einen „cheatday“ draus zu machen. „cheatday“ hieß bei mir einen total eskalieren Fresstag. Ich habe mich vollgestopft mit allem bis mir schlecht war, weil ich dachte ab morgen, kannst du das alles nicht mehr essen, deswegen musst du heute alles essen, worauf du das ganze letzte Jahr verzichtet hast. Ihr könnt euch vorstellen wie diese Tage ausgesehen haben. Meine Mutter wusste nicht mehr wie sie damit umgehen sollte. Vorher mussten wir extra Lebensmittel mit möglichst wenig Kalorien besorgen. Ich habe an meinem Geburtstag unter anderem keinen Kuchen gesessen, und nun stopfe ich mir 2 Tafel Schokolade rein und esse anschließend noch einen ganzen Becher Eis. Heute sehe ich ein wie bekloppt das alles war. Beides: nichts essen und an einem anderen Tag dafür alles was man in die Finger bekommt. Darauf folgte eine ganze Weile wo ich jeden Tag so viel in mich reingestopft habe und gar nichts mehr in die App eingetragen habe. Nennen wir es unkontrolliertes Frustfressen. Irgendwann habe ich dann die Notbremse gezogen und die App gelöscht. Ich wollte mir nicht mehr bei jedem Teil Gedanken darüber machen wieviele Kalorien es hat. Ich wollte den Gedanken loswerden was ich heute alles essen darf oder noch alles essen kann. Natürlich habe ich wieder zugenommen und heute bin ich plus minus bei meinem Ausgangsgewicht aber ich kann von mir sagen dass ich heute gelernt habe, mich zu akzeptieren wie ich bin, und wieder eine normale Einstellung zum essen habe. Ich denke nicht mehr den ganzen Tag darüber nach. Und dass finde ich am wichtigsten, denn mein Tag drehte sich teilweise nur ums essen ich habe nichts anders mehr als wichtig angesehen, habe den Kontakt zu Freunden und Familie immer mehr vernachlässigt und bin oft sehr früh schlafen gegangen um nichts mehr essen zu müssen. Das Essen war immer ein Highlight des Tages. Ich habe mich beim zu Bett gehen schon auf mein Frühstück gefreut und Tagsüber drehten sich meine Gedanken auch nur um das Abendessen.

Heute Esse ich einfach wann und wodrauf ich Lust habe. Es ist mir egal wie viele Kalorien eine Mahlzeit hat und ob es bereits nach 18.00 Uhr ist. Und wenn ich Lust auf eine Cola zum essen haben, dann nehme ich mir eine. Das Essen macht das Leben doch irgendwie Lebenswert oder ? Was ich am meisten vermisst habe, war das gemeinsame Ausgehen mit Freunden, denn immer nur daneben sitzen und nichts bestellen, führt zu schlechter Laune und dann entwickelt sich ein Verlangen danach nur noch Zuhause zu bleiben und nirgends mehr hin zu gehen. Man schottet sich gewissermaßen von seiner Umwelt ab.

2015 und Heute:

Ich hoffe ich konnte euch damit meine Geschichte etwas näher bringen und euch dadurch lehren, besser mit „hilfen“ zur Abnahme umzugehen Vielleicht öffnet auch jemanden dieser Beitrag die Augen, der in der selben Situation steckt wie ich es tat.

Wir sehen uns

Runninglenchen

6 Gedanken zu “Ernährung – von einer Essstörung zur nächsten

  1. Yannick schreibt:

    Das schlimmste ist immer noch, dass man es selbst nicht sieht und ich wollte es noch nicht einmal einsehen, als ich fast zur Therapie geschickt worden wäre. Irgendwie identifiziere ich mich einmal wieder mit diesem Thema und Text.

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    • runninglenchen schreibt:

      Alleine schon die Tatsache, dass man selber kein Auge mehr dafür hat, finde ich es wichtig hier auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Es ist gut möglich, dass eine betroffene Person dies liest, und so selber nochmal die Kurve kriegt.

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  2. ziskamaria schreibt:

    Ein Text, der zum Nachdenken anregt, was Kalorien zählen und Apps angeht die uns sagen wie viel wir noch essen dürfen. Ich bin noch nie damit klar gekommen, weil ich nie einen ganzen Tag Lust hatte alles zu tracken. Aber Gedanken übers Essen macht man sich natürlich wenn man sportlich sein möchte und das ein oder andere Kilo verlieren will. Es ist super, dass du diesen Teufelskreis verlassen konntest! 🙂

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